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perpetuum mobile der purrnogarrapfhüVon fritz franz vogel liebe ekstatiker und stöhnerinnen staunen ist der anfang jeder philosophie. vielleicht auch deren ende. die visuelle wahrnehmung und damit das staunen ist die lieblingsbeschäftigung der pornografen. sie reihen aus männlicher optik weibliche reize wie an spiessen aneinander. bilder von nackten tatsachen sind treibstoff der junggesellen und deren unterleibsmaschinen. Die ewig sexhungrigen wolfsmenschen gefallen sich in onanistischer selbstbegattung; sich selbst ist der mensch, und vor allem der männliche, die beste gattin, und sei sie auch papierern oder elektronisch. die nacktheit ist das réduit der angezogenen. unter dem deckmantel der kunst lechzen gierige augen nach straffer haut. unersättlich ist der bilderverschlingende mensch, unersetzbar die frau als lustobjekt, kunstsubjekt und sehnsuchtsattribut, unersetzlich der mann als triebtäter. je infektiöser der sex wird, umso grösser die sintflut von bildern, umso offenkundiger die erzeugnisse auf und unter dem ladentisch und inner- und ausserhalb der gut einen kubikmeter grossen pornokabine. doch keiner glaubt, dass beim porno-konsum die phantasie erlahme; so kaufen die männermenschen bücher und videos, weil sie sich selbst zwischen buchdeckeln zu wenig zur schau stellen können. sie kultivieren ihre heimliche sehlust mit stummen hochglanzseiten und elektronischen sensorensträngen. sie vereinfachen ihre sehnsucht auf schwarzweisse und bunte zweidimensionalität mit mehr oder weniger abgerundeten ecken. es ist für den körper kribbelnder zu sehen, was andere als geil empfinden, als selbst pure lust spüren zu müssen. weder schweiss noch intimgeruch stören das flache bildabenteuer. in der einen hand vibriert der lustbolzen, in der andern zittert das magazin mit den lust-verrenkten playmates kleenex oder tempo griffbereit. A und O, Baum und Borke, Belmonte und Konstanze, Birne und Stiel, Dorn und Schnalle, Glocke und Klöppel, Glocke und Schwengel, Haken und Öse, Hand und Handschuh, Knopf und Knopfloch, Mark und Bein, Mörser und Stössel, Punkt und Komma, Schloss und Riegel, Schwert und Scheide, Stecker und Dose, Topf und Deckel, Pfahl im Fleisch. ernest borneman feststellungen. es gibt keine einzige epoche der kulturmenschheit, in deren kunst das erotische element fehlt. zwar sind die grundmotive (u.a. balzverhalten, stellungen, körperteile, hängungen, bondage, instrumentalisierung) relativ beschränkt, doch ist über deren gestaltung und zeitgeist zu staunen. zweitens: was früher als sünde galt, ist heute allenfalls eine krankheit und wurde dem sexualethikbereich der kirche entrissen und an die medizin delegiert. drittens: auch der amerikanische biologe kinsey enthielt sich eines werturteils in bezug auf die sexuellen praktiken seiner landsleute: ihm als insektenforscher war die umfassende sammlung wichtiger. industrialisierung ist konditionierung auf materielle leistung. sie eliminiert damit leistung im emotionalen bereich. sexualität und sinnlichkeit werden reduziert, der tierische urzustand im sinne von fick und fertig domestiziert. je besser die arbeitsmoral, umso weniger lust und triebe. damit steht der kulturelle fortschritt im streit mit der selbsterhaltung. kulturarbeit ersetzt die sinnlichkeit. nicht mehr die frau ist begehrenswert, sondern das bild von ihr, mindestens das bild von einer mädchenhaften frau vor 35. schön ist das ansehnliche, das ersehnte, das nicht vorhandene. je näher der tod sein unwesen treibt, umso mehr flüchtet sich der mensch in die entgegengesetzte richtung: der jungbrunnen im badezimmer wird immer üppiger und wohlduftender. die kunstdruckseiten der sexmagazine und die pornovideos sind voll von kommerzialisierten gesichtern, also mit abbildern der normalästhetik. lust ist ausdruck einer vitalen und produktiven funktion. vielleicht müssen wir alle bilder und noch viel mehr in uns aufgesogen haben, um mehr klarheit über den menschen, über seinen fleischlichen materialzustand und seine mögliche bestimmung zu erhalten. vielleicht ist der schale genuss an den klinisch sauberen, perfekt gestylten, aseptischen und kulinarisch jederzeit verzehrbaren sexprodukten, die darüber hinaus lediglich einen physiologischen reiz in schwabbeligem gewebe auslösen, nur eine übergangsstufe ins paradies. Nur vollfette Lustkühe wie ich können wirklich anmutig die hammerharten Vögelstangen geniessen. So ein dürres Flittchen hat doch keine Ahnung, was Wollust wirklich bedeutet. Immer nur fick und fertig. Ich dagegen nehme meine Jungs liebevoll in die Mösenzange, bis die Eier restlos leer sind Kaum wittere ich Sacksahne, bin ich die hemmungslose Ficksau. Jedes Gramm an mir bebt, die schlaffe Haut klatscht aufeinander, und aus meinem Arsch grunzt ein langer, feuchter Furz. Die Titten watscheln wie fette Gänse vor meinen Augen, und ich spüre den Schwanz tief in der Schleimfotze... fat extrem, 12/89 doch bevor wir ins pornotopia gelangen, bohren wir mit wollust etwas tiefer. im folgenden geht es nicht um die ekstase als psychopathologisches phänomen, das durch drogen und rauschzustände hervorgerufen wird, sondern um die bildschöne erscheinungsform, um die beinahe ausschliesslich auf dem gesicht ablesbare, konvulsive verzückung. bereits bei der geburt sind wir auf dem damm der ekstase, stürzen kopfüber in die nasse besinnungslosigkeit, kopf nach hinten gebeugt, um tief luft zu holen, um die körperöffnungen von jeder dem göttlichen lebens- und lichtstrahl hinderlichen biegung zu befreien, die augen zugekniffen, eine schrecksekunde ohne atem, dann das lustschmerzvolle losprusten, nachdem wir 286 tage in wurmhaltung versorgt wurden. die geburt ist die erste ekstase des menschen. klar, später kann man den wonneschauder auch erklären: ... eine explosive, vom gehirn verschlüsselte, neuromuskuläre antwort auf den gipfel sexueller erregung. ... ausgelöst durch psychobiologische stimulation und die lustvollen gefühle, die zusammen mit den entbehrlichen begleitumständen des beckens genossen werden. sympathikusaktivierung, stresshormonausschüttung, blutdrucksteigerung samt kontrollverlust und atemstillstand. ... sprühendes feuerwerk. ... symphonisches crescendo. ... erdbeben, das eine mal als orkan von ungeheurer wucht, ein anderes mal bloss als angenehme spannungslösung. ... psychosomatisch mit dem tod vergleichbarer erschöpfungszustand. als ekstase, die unio mystica, wird das ausser-sich-stehen, die entrückung des geistes und vor allem der sinneseindrücke, der ausstieg aus der ordnung von zeit, raum und kausalität, bezeichnet. sie äussert sich als ein statuen-, ja totenähnlicher erregungszustand, der religiosität und sexualität auf den g-punkt bringt. es ist die himmelwärts gerichtete blindheit, besoffen vor glück, schwebend und mit der gottheit beischlaf feiernd. in diesem wohl blasphemischen akt der vereinigung, im orgasmus, erkennt sich der mensch als der sündende, der sich der gottheit verbotenerweise angenähert hat. ekstase ist stillgestandenes einatmen durch den halbgeöffneten mund, ekstase ist der schwindel beim inhalieren, das sanfte kräuseln in der eingeengten, beinahe erstickenden luftröhre, das berauschen der eingeweide, die wollüstigen wonnen der innereien, das kitzeln bis zur ohnmacht. aus der psycho-pathologischen feldforschung gibt es folgende aussagen zu dieser «ozeanischen selbstentgrenzung», wie sie fachspezifisch genannt wird: «Ich fühlte mich, als ob ich schweben würde. Die Grenze zwischen mir selbst und meiner Umgebung schien sich zu verwischen. Es schien mir, als gäbe es in der Welt keinerlei Widerspruch und Gegensätze mehr. Es schien mir, als hätte ich keinen Körper mehr. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlebte ich als eine Einheit. Es kam mir vor, als seien meine Umwelt und ich selbst eins.» (andreas resch) aus diesen grenzerfahrungen und aus der ikonografie «ekstase/orgasmus» erklären sich die beiden termini «kleiner tod» und «post coitum animal triste» (in klammern sei festgehalten, dass diese trauer nach dem koitus etwas wirklich menschenspezifisches ist. die ekstase schliesst sogar den humor aus. was auch immer während des vorspiels an witz und esprit gelaufen ist, kommt mann und frau zur sache, wird der witz eingetauscht mit ekstase. es ist sogar so, dass sich pornofilmer expressis verbis im pornofilm den humor und das lachen verbieten, weil sie argumentieren, dass eine sache, über die man lachen muss, eben nicht mehr geil ist, und man, respektive der mann, nicht mehr erotisch angespitzt wird.) ebenso interessant wie der offene mund scheint mir das motiv der geschlossenen augen. die lust findet unter ausschluss der öffentlichkeit statt. menschen in der ekstase dürfen in die anonymität zurücksinken. die identität spielt keine rolle mehr. offene augen weisen immer den weg zum porträt. die darstellung der ekstase will aber genau kein nacktporträt, sondern will ein gefühl, eine atmosphäre, eine nach innen gerichtete wonne vermitteln. in der ekstase, könnte man schlussfolgern, passiert durch das schliessen der augen der wechsel von der personifizierung zur fetischisierung. in blindheit («vor liebe blind», wie es im volksmund heisst) lässt es sich besser oder besser: besessener der lust folgen. ein negativbeweis sei hier angeführt. in der frühzeit der fotografie gibt es zwar einige pornografische darstellungen, aber kaum ekstatische und lustvolle aufnahmen. die meisten aufnahmen sind eher genre- als aufgeilbilder. die fotografen hatten den trick noch nicht raus. sie mussten die gekauften paare vor der kamera posieren statt agieren lassen, weil aufgrund der niedrigen filmempfindlichkeit noch keine kurzen verschlusszeiten möglich waren, die die in der ekstase implizierte bewegung hätten einfangen respektive den entscheidenden augenblick hätten herausdestillieren können. so haben wir auf beinahe allen bildern bis in die 50er jahre den kontrollblick der agierenden, der trotz der eindeutig sexuellen aktion die funktion der reproduktionsmaschine überprüft. die trennung von reproduktionsmedium und handelnden setzt richtig erst in den 60er jahren ein und wird dann in den 80ern perfektioniert. charmelippchen & charmeuse dein charme geliebte charMeuse treibt mein charmantes lippchen ans lustgeschmolzne grübchen in das ich einfahr mit ständernem finger langbreit HINEIN! da kommt’s da kommt schon dein charmHaaaarrrH! das kraul ich PACK DICH & FASS DICH AN dein charmlippchen legt mir die läppchen aus-e-i-n-anander: da! ZEIGS’S MIR & zeigt dir DAS Rotverschlungene DAS Heissgeriebene DAS guuuuuuttt! DurchZ-u-c-k-t-e wilde grübchen in das ich e-i-n-STEIG auf Zungenspitzen trrrreib ich’s h-i-n-ein in dich CHARMEUSE charmgeliebte steigt im dreiecksrhythm AUF die PRALLGEFüLLTE harte seh ich GLäNZEND obenauf charMeuse zuckt leckt sich die finger nach mir kommst DU KOMMST DU mit deiner charMeuse schreit da die PralLE, die gaaanz HARTE, mit festen s-p-i-t-z-e-n Zungenstööööööösssssssen kommt SIE mir in den Mund. Die CharMeuse. claudia pütz im gegensatz zum kleinen der grosse tod: ausgeatmet. die luft ist raus. out. ende. exit. amen. der unterschied lässt sich sehr schön mit pietà-darstellungen illustrieren: der kopf hat keine kraft mehr, die muskulatur des halses ist gebrochen, der kopf fällt nach hinten oder vorne. jedes leben ist erschlafft, respektive zu tode erstarrt. deshalb braucht der tote ein ruhekissen, um einigermassen anständig, würdig, normal wie im schlaf auszusehen. etwas weiteres ist in der ikonografie der ekstase auffällig; uns werden beinahe ausschliesslich frauen gezeigt. zwar könnte man psychoanalytisch begründen, dass die frau von je her als der menschenteil mit dem hang zur körperlichen entgleisung, zur hysterie (die eine ähnliche physiognomie aufweist) angesehen wird. mir scheint eine andere erklärung stimmiger: was beim mann offensichtlich an milchigem beweismaterial seiner ekstase auf die weibliche haut zu spritzen kommt, muss bei der frau irgendwo ablesbar gemacht werden. zwar weist eine erregte frau nach meinen kenntnissen steife brustwarzen auf, doch genügt dieses auch bei kälte bei mann und frau gleichermassen vorkommende erotische signal nicht. deshalb ist das gesicht der frau als ersatz ins bildzentrum gerückt. dass ab und zu ein männergesicht auftaucht, hat weniger mit der «fehlenden» schönheit zu tun als vielmehr mit einer vergewisserung für die konsumenten, die doch vor allem männlich sind und sich an die stelle des film- oder zeitschriftenbildes imaginieren sollen. das gesicht der frau, als pars pro toto, ist also das kapital der pornoindustrie. die lust der frau ist die funktion der arbeit des mannes. der mann arbeitet mit diesem kapital (deshalb auch der schweiss und die verkrampfung im gesicht, daran ist nebst der ejakulationsmenge die arbeitsleistung ablesbar), und der mehrwert fliesst in die ökonomisierte und elektronisierte leidenschaft zurück: «tiefer», «mehr», «nicht aufhören», «weiter», «nochmal», «fester» sind die vokabeln des ökonomisierten koitus. zur ekstase kommt nur, wer den komparativ zum leistungsprinzip erhebt. wer den superlativ trifft, ist süchtig und kommt bestimmt wieder. das gesicht der vom mann idealisierten wunschfrau (es gibt gemäss konsumentenwünschen ein diversifiziertes angebot von der hausfrau bis zur femme fatale) hat rein und ohne schweiss zu sein, denn die visualisierung geiler und gieriger seelenzustände ist etwas für die feinmuskulatur und nicht für die schweissporen. verfügbar ist die frau bloss, wenn sie rein ist. und erst die reinheit, die unschuld kann die verzückung und hingabe optimieren. erst dann ist die leidenschaft als wunderschöne dienstleistung perfekt. gerade weil in jedem film- oder bildclip früher oder später alle personae dramatis miteinander in der horizontalen liegen, muss die jungfräulichkeit, der reinzustand, stets wieder neu herstellbar sein. ja noch etwas: es gibt, im gegensatz zum echten leben, keine eifersucht. «gleichberechtigte beziehungen» sind voraussetzung für die medial getrimmten stehaufmännchen der promiskuität. deine lippen legen an auf mich ich flieh unter den schutz deiner zunge ich habe sehnsucht nach deinen füssen und hunger auf deinen bauch und liebe den feinen ton mit dem sich dein reizverschluss öffnet eigentlich bereu ich nichts nur heute wars mist beim schlafen keine lust gehabt und habs nicht lautgesagt aber gross rumstöhnen! ORGASMUSS frederike frei die pornoindustrie vermeidet jede rückblende. sie ist in zeitschriften und in filmen stets monotonen inhalts. es gibt keine überraschungen, sondern lediglich der kunden wünsche erfüllung. es geht immer vorwärts, der klimax zu. in der aneinanderreihung erotisch-pornografischer szenen bewirken die bilder eine dauererregung, eine auf ewigkeit konzipierte kopulation (im übrigen ist die synchronizität von orgasmen wegen filmischer aufnahmebedingungen tunlichst vermieden). dies wird noch verstärkt durch die gesteigerte intensität und quantität sich multiplizierender orgasmen (eine frau und ein mann, dann eins zu zwei, zwei frauen miteinander, frau im dreiecksverhältnis, formen der intrige und schliesslich das optisch opulente, orgiastische und öfters manierierte body art environment des gruppensex; pornografie funktioniert dort am besten, wo sie bereits vorhanden ist). und alles nur wegen eines muskels, des musculus pubococcygeus, kurz: des pc-muskels, der die harnblase am ausfliessen hindert, aber auch den samenfluss stoppen kann, sofern er trainiert wird. neue forschungen belegen, dass ein orgasmus bei der frau nicht bloss punktuell ausgelöst wird, also vaginal oder klitoral, sondern als ganzes organisches system erfasst werden muss, als whole statt als hole. perle, schaft, kapuze, schenkel, innere schamlippen, schwellgewebe, kegelmuskel, nerven, blutgefässe sind einige der begriffe aus der pyramide der wollust. immerhin wirbt der sexfilm mit sex. im gegensatz zu unlauterer warenwerbung hält er, was er verspricht. hunderte von männern pflügen sich in schweiss gebadet durch fleischlöcher in 08/15-studionischen und betröpfeln im medienrummel weibliche hautzonen. die szenen, scheint mir, sind nicht ohne theatralische tragik. was wir sehen, sofern wir vor lauter falten, schlünden und furchen überhaupt was sehen, sind weniger schauspielerische spitzenleistungen als vielmehr hart erkämpfte beweise konvulsiver spritzleistungen. und das schleimige ejakulat ist so flüchtig wie die clips an und für sich. man braucht sich ihrer nicht zu erinnern. pornografie widersetzt sich sogar der erinnerung. sie zelebriert das hier und jetzt, nunc stans, schliesst vergangenheit und zukunft aus, macht jeden zum wiederholungstäter, vor allem auf dem gedeckten tisch des bildschirms, der paradoxerweise auch gleichzeitig eine tabula rasa ist. den pornofotografien haftet eher ein kleines memento mori an, doch sie erzählen nichts vom bildinhalt, sondern von den enttäuschungen des konsumenten. dennoch werden die bilder industriemässig produziert und reproduziert, und wir reagieren in einem rentablen energiespiel unsere triebe ab. wir dienstleisten an der kalten junggesellenmaschine, vergessen dabei die these von den 10000 schuss pro mannesalter und disziplinieren die arbeitskräfte zum patriotischen grosseinsatz. so rentiert jedes geschäft. Purrnogarrapfhü Purrno, ömma wüdar Purrno, mall vann hüntn, mall vann vurrno, eunzigöss Prubleim darpui: Getschlachtzorrgune geibptz norr zwui. Bastnpfullz nuch monndt ont Baussen, duch dar kimmt nücht pvill pei raussssn. Hött’ monn pfömpf Getschlachtzorrgungen, künnt monn züch pvill mööhr varwuhnen, ont die Purrnogarrapfhü wärr’ su lustigck, vi nuch nüü. matthias koeppel porno ist männliche kopf- und weibliche körperarbeit geformt zum ekstatischen pas de deux der erotiksportlerinnen. die filmdetails erweisen sich als militärische rüstkammern, die geilheit ist supponiert, die ekstase fälschung. aber die fälschung ist besser. dies beweist die nicht vorhandene abnützung und ermattung: es gibt keine pausen trotz kraftverzerrter hals- und gesichtsmuskulatur; mit vor- und rücklauf bei 199, inhaltlich und formal kaum divergierenden programmen ist der mann immer als ein ver-einsamender wichser kostengünstig und keimstoff vergeudend im gruppensex dabei. die monotonie des mechanischen in der elektro-nische bewirkt pralle schwellkörper. während die frau immer schöner, immer rätselhafter und immaterieller dem höhepunkt entgegenflattert, fettet, fiebert, schweisst der mann seiner einzigen funktion des abschlagens entgegen. auch nach seinem milchigen erfolg, den paar gramm proteinzertifikat als wahrheits- und echtheitsbeweis, dreht das fleischkarussell weiter, ein sich selbstbesamendes räderwerk, eine bestens geölte, funktionalistische fickmaschine, pornotopia ohne zukunft, ohne schmerz und trauer, aber mit immer grösserem instrumentarium: bananen, gurken, auberginen, glühbirnen, mörser, kerzen, flaschenhälse für das weibliche geschlecht, peitschen, särge, elektrische stühle, aufhängevorrichtungen, käfige, nadelbesteck, plastikkorsettagen, bolzenmaschinen und all des gummierten stand-by-programms mehr für das männliche. print- und elektronische medien ermöglichen den rückzug ins private. die kultur der piazza ist von einer kultur des wohnzimmers, in dem die tv-schirme stets grösser und die tonale und elektronische infrastruktur immer luxuriöser wird, abgelöst worden. das heisst, dass sich die kultur des sprechens, die öffentlichkeit des sprechens über sexualität, verschlauft hat in die geheimniskrämerei und tabuisierung hinter den normierten vorhängen. die privatisierung dämmt damit den diskurs über sexualität ein (bis zum faktischen verbot, «darüber» zu sprechen). zum andern hat die schwemme an pornobildern gesellschaftliche klassen eliminiert. geilheit kann heute jeder kostengünstig im migros-liken erotikmarkt einkaufen und zu hause während lilo wanders wa(h)ren liebesfilmen abschlagen, wenn auch mit dem defizit von beziehung und begegnung.
eins
gemeinsamen
gemeinsame
gemeinsam
gemein
mein
ein
einsam
einsame
einsamen
samen
amen
e ins
ernst jandl so bleibt die sexualität eine dämonische und dissidente macht, ein perpetuum mobile kultureller produktion, jenseits von gut und bös, jenseits von liebe, jenseits von geistiger normalität, jenseits von utopien. wenn der vater aller dinge der krieg ist, so ist die mutter die sexualität. und für die eltern von lust, zärtlichkeit, ekstase und kunst, von kriminalität, krieg, ausbeutung, vernichtung und sklaverei, wünsche ich mir und euch, ein nicht-enden-wollendes, den ganzen körper erschütterndes unterleibsgewitter. Erschienen in TANTRA Nr. 4, Juli 1995. © Alle Rechte der Texte und Bilder liegen beim Herausgeberverein YABYUM, Zürich, und den Autoren und Autorinnen. |
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