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Aphrodites Töchter...



... trafen sich im Wonnemonat Mai auf den Schweizer Bergen. Ins wunderschön gelegene Frauenhotel Monte Vuala, – die Assoziation Monte Vulva wird spätestens nach diesem Wochenende in ewiger Erinnerung bleiben – kamen rund 20 Frauen «um ihre sexuelle Identität zu entdecken». Nach der üblichen «Was bin ich? Was will ich?»-Einführung wurden die Chakren gelockert und jede stellte ihre Möse vor: Schönen guten Tag! Im Verlauf des Seminars sollten wir noch mehr von den Damen sehen, hören und schmecken. Der Pussytalk animierte zur besseren Kommunikation und hielt zur höchsten Aufmerksamkeit an. Moralische sowie andere un-, unter- bis bewusste Instanzen, die die freie Entfaltung der Libido behindern, wurden diskutiert und entlarvt. Auf einer meditativen Reise in den Garten der schönen weisen und ewig weiblichen Frau konnten wir alle unsere sexuellen Wünsche loswerden und die sanfte Meeresbrise auf der Haut spüren.

Nachmittags gings dann gruppenweise ans Eingemachte und jede wurde der Reihe nach mit allen zur Verfügung stehenden Lustmitteln zum mindestens einmaligen Orgasmus gebracht. Während alle so vor uns kamen, kam auch der Gedanke, dass den sich ausschliesslich als heterosexuell definierenden Kursteilnehmerinnen ein paar technische Tipps noch besser bekommen wären. Und manche fragten sich auch, warum sie überhaupt so kommen sollten. Danach brachen alle zusammen und nahmen ihre Mahlzeit wortlos zu sich, was dem Hotelteam zum Schmunzeln gereichte. Dieses stellte nebenbei auch einen Rekord im Wasserverbrauch fest, denn schliesslich wurde angemahnt, auf Hygiene zu achten.

In der Nachbesprechung wollten die meisten diesen Gruppensex dennoch nicht missen, auch wenn einige sich mit dem Ja- bzw. Nein-Sagen schwer taten. Das war auch der G.ewisse Punkt, der mir sagte, ins Bett zu gehen und dem allseits beschwärmten Nacht-Ritual – die Segnung der Mösen durch die weisse Buddha Maggie Tapert – nicht mehr beizuwohnen. Ich war zu erschöpft, und auch die Vollmöndin konnte mich von meinem Dornröschen-Tiefschlaf nicht abhalten. «Die Fähigkeit, andere loszulassen», was Maggie Tapert als wichtigste Lektion erachtete, hatte sich meiner bemannt.

Im Schlaf erschien mir mein Leben als Sexarbeiterin, das sich von dem Konzept der «Heiligen Hure» hier auf den Bergen doch sehr unterschied. Im Berufsleben ging es nie darum, «Männer mit allem zu empfangen, was sie bringen und dann wieder ganz und völlig loszulassen, wie man Nahrung ausscheisst», obwohl die Abstossung immer gut funktionierte und wenigstens das Geld eine Wertschätzung darstellte. Es ging um Arbeit, um Handwerk und auch um Psychologie, die den professionellen Frauen erlaubt, selbstbewusst das zu tun und anzubieten, was sie bestimmen – und eben nicht die Männer. Und ganz nebenbei sind Huren niemals so heterosexuell fixiert wie die Konzepte fast aller Sex-Workshops. Gerade im Rotlicht-Bereich – und die Farbe Rot kommt ja auch von unserer feucht fröhlichen Höhle – findet sich Freiraum für alle möglichen Transformationen. Sogenannte Perverse gehen mit sogenannten Normalen auf einem Strich und sexperimentieren mit all ihren Anlagen, nicht nur mit der festgelegten Mann-Frau- oder meinetwegen auch Yin-Yang-Opposition.

Das fehlte mir während des ganzen Wochenendes, und die sonntägliche Suche nach dem G-Punkt brachte mich meinem Freuden-Haus auch nicht mehr näher.

Laura Méritt



Erschienen in YABYUM Nr. 2, November 1999.

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