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Von Herz zu Herz



Ein Gespräch über Tantra, Sexualberatung und Sexualpädagogik

Tantra, genauer: Neo-Tantra wird mittlerweile schon seit über 20 Jahren in Kursen als Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den Rollen von Mann und Frau, als Anregung zu einem phantasievollen und bewussten Umgang mit der Sexualität, der Vertiefung von Liebes- und Beziehungsfähigkeit, als Hilfe bei sexuellen Problemen und oft auch als Weg einer spirituellen Entwicklung angeboten. Was halten Fachleute aus den Bereichen Sexualberatung und Sexualpädagogik davon, die sich mit denselben oder verwandten Themen beschäftigen? Wir haben Eliane Schweitzer, Sexualberaterin bei der grössten Schweizer Tageszeitung «Blick», die Sexualpädagogin Esther Elisabeth Schütz sowie Doris Christinger und Peter A. Schröter, die zusammen SkyDancing Tantra lehren, zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Das Gespräch führten Edi Goetschel und Regula Schenkel.

YABYUM: Eliane Schweitzer, wir möchten mit einer Frage beginnen, die dir als Sex-Beraterin bestimmt schon wiederholt gestellt worden ist. Was antwortest du, wenn du gefragt wirst: «Was ist das eigentlich, Tantra?»

Eliane Schweitzer: Ich habe vor Jahren Doris Christingers Liebesschule für Frauen besucht und kann deshalb den Leuten meine eigenen Erfahrungen damit schildern. So erzähle ich von Atemtechniken, von Übungen zur Verfeinerung der Sinnlichkeit mit Musik, Düften und Farben. Und von der Einstimmung über die Kundalini-Meditation, die es ermöglicht, sehr schnell intensiv mit den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Auch dass Techniken gelehrt werden, um die eigene Lust zu aktivieren. Tantra empfehle ich Paaren, die zusammen auf erotischem Gebiet etwas Neues erleben wollen. Wobei ein gewisses Interesse an Esoterik vorhanden sein muss. Dagegen empfehle ich Frauen mit Hemmungen oder beispielsweise Orgamusstörungen eine Frauengruppe.

YABYUM: Was verstehst du unter «Interesse an Esoterik»?

Eliane Schweitzer: Tantra hat für mich viel mit Zeremonien oder Ritualen zu tun. Ich frage deshalb die Leute, ob sie sich vorstellen können, vor ihrer Frau zu sitzen und ihr zu sagen: «Du bist meine Göttin.» Es gibt Paare, die zusammen wunderschöne Szenarien entwickeln. Mir persönlich liegt das allerdings nicht. Wenn ein Mann mich wie eine Göttin behandelt, ist das natürlich wunderbar. Aber in einem künstlich geschaffenen Rahmen mit Kerzen und Kristallen und einer Musik, die ich schlecht ertrage, sich vor der Göttin in mir verneigen, und danach das ganze Brimborium mit heftig Schnaufen und all dem, das ist für mich unecht und deshalb peinlich. Ich müsste eher das Lachen verbeissen, als dass sich im Unterleib etwas regen würde.

Peter Schröter: Ich verstehe, dass das rituelle Gesumse merkwürdig ankommen kann. Mit unseren kleinen Ritualen haben vor allem Männer manchmal Schwierigkeiten, Frauen lieben sie. Beispielsweise das kleine Anfangsritual, bei dem ein Paar sich gegenübersitzt, sich anschaut, voreinander verneigt und «Om» singt. Dies ist die Namaste- oder Herz-zu-Herz-Begrüssung. Es geht dabei um die gegenseitige Anerkennung, die in der Sexualität eine wichtige Rolle spielt. Durch ein Ritual verliert sich die Zeit, kann ich den anderen Menschen mit anderen Augen sehen, spüre ich mich selbst besser: Ich beginne dieses kleine Ritual mit mir, erst dann beziehe ich mich auf meine Partnerin oder meinen Partner.

YABYUM: Ist Tantra überhaupt ein Thema in der Sexualpädagogik?

Esther Schütz: In der Sexualpädagogik nicht. Aber ich biete auch Sexualberatungen an. Wenn ich dort nach Tantra gefragt werde, antworte ich, dass es eine Lehre sei, welche Männer und Frauen darin unterstützt, die eigene Sexualität mit grösserem Bewusstsein zu erleben. Und ich weise darauf hin, dass es ganz verschiedene Formen von Tantra gibt. Ich betone deshalb, dass es wichtig sei, sich bei den Anbietern und Anbieterinnen genau nach ihrem Verständnis von Tantra zu erkundigen, und sich klar zu werden, welche Art von Tantra ihnen zusagt.

Doris Christinger: Der Begriff Tantra wird von Angeboten im Bereich der Prostitution mit erotischen Massagen bis zur Sexualtherapie verwendet. Es ist deshalb tatsächlich wichtig, dass Leute, die sich dafür interessieren, sich vorgängig informieren, beispielsweise auch darüber, was die Anbieterinnen und Anbieter für einen beruflichen Hintergrund haben. Ich kann nur von den Prioritäten bei unserem SkyDancing Tantra reden: Wir begleiten Leute dabei, einen bewussten Umgang mit der Sexualität zu lernen oder zu vertiefen. Einige kommen mit therapeutischen Bedürfnissen, andere sind Suchende. Was wir anbieten, ist keine Instantlösung, sondern ein Weg, der längere Zeit dauert und eine starke Auseinandersetzung mit sich selber beinhaltet. Das Tantrische daran ist, dass dieser Weg über die Sexualität hinausgehen und eine spirituelle Komponente miteinschliessen kann. Das wird aber erst möglich, wenn die persönlichen Probleme aufgearbeitet worden sind. Wobei ich mir bewusst bin, dass der Begriff Spiritualität genauso wie der Begriff Tantra erst definiert werden muss.

Esther Schütz: Ich habe Leute in meiner Ausbildung, die SkyDancing Tantra machen. Ich weiss jedoch nicht genau, was in solchen Gruppen abläuft. Was ich bisher von SkyDancing Tantra gehört habe, erweckt bei mir den Eindruck, dass diese Seminare sehr an die leitenden Personen gebunden sind. Ich kenne das selber von mir als Initiantin eines Instituts, aber eben, es sollte letztlich nicht so sein. Eine Sache sollte auch nach uns weitergehen.

Peter Schröter: Bei einer Therapie ist die Person das Wichtigste, sie ist das A und O. Die Technik kommt erst an zweiter Stelle. Beim Tantra ist es ähnlich. Auch hier sind die Personen wichtig. Sie sind letztlich ausschlaggebend für die Wahl eines Angebots. Und in zweiter Linie kommt das Tantra. Wobei wir der Meinung sind, dass auch eine Methode stetig weiterentwickelt werden muss, was Doris und ich mit dem SkyDancing Tantra tun. Als Margot Anand vor über 20 Jahren Tantra von Osho aus Indien nach Europa brachte, gab es neben ihr gerade noch Sudha, die Tantra angeboten hat. Damals war alles sehr ruppig, wie auch die Therapien damals sehr hart waren. Wenn damals von Tantra gesprochen wurde, war klar, dass es um Sex ging.

YABYUM: Was heisst das konkret?

Peter Schröter: Es gab Bumsgruppen und es gab Gruppen, in denen sexuelle Schwierigkeiten wie Scham oder Schuld oder angstbesetzte Themen auf ziemlich brutale Art und Weise direkt angegangen wurden. In meiner ersten Gruppe beispielsweise wollte eine Frau ihre sexuelle Phantasie ausleben und von drei Männern gevögelt werden. Margot schaute sie an und sagte: «Kein Problem.» Die Frau hat sich drei Männer ausgesucht, mit diesen Liebe gemacht und die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben zugeschaut. Wer mit beiden Füssen auf dem Boden steht und die normale neurotische Aufziehdressur durchgemacht hat, wie die meisten von uns, für den oder die kann so etwas durchaus eine Befreiung sein. Auf der anderen Seite kommen dabei natürlich all die Schattenseiten zum Vorschein: Eifersucht, Wut, Depression, Ekel, Scham. Es war das Verdienst Oshos, dass er alles immer wieder mit meditativen Ansätzen zu verbinden und dadurch aufzufangen wusste. Beispielsweise mit der erwähnten Kundalini-Meditation sich auf die Energie vorzubereiten, sie freizusetzen und dann zu lenken. Darum geht es bei Tantra: Was mache ich mit meiner Lebensenergie? Wir können lernen, diese Energie nicht nur im Sex zu empfinden, sondern auch im Herzen oder im Dritten Auge.

Eliane Schweitzer: Bis jetzt habe ich gemeint, ich hätte das Wort Tantra früher falsch verstanden. Nun habe ich das Beispiel dieser Frau gehört, die ihre Phantasien ausleben wollte. Das ist das, was ich damals auch unter Tantra verstanden habe. Offenbar sind es ganze andere Leute, die sich damals dafür interessiert haben als heute. Abwertend könnte gesagt werden, dass sie nur bumsen wollten, aber es ging doch auch darum, sich die freie Liebe zu gestatten, sich eben beispielsweise einmal drei Männer zu erlauben. Zu erleben, wie es ist, Sex mit Leuten zu haben, die ich nicht kenne. Und jetzt gehen wir in einen Tantra-Kurs, riechen verkrampft an einer Blume und versuchen, darüber eine bisschen Sinnlichkeit zu entdecken. Wenn jetzt dazu noch von Spiritualität die Rede ist, wird es unheimlich kompliziert.

YABYUM: In den 60er und 70er und auch noch in den 80er Jahren war der Umgang mit Sexualität ein anderer als heute. Abgesehen davon, ob die sexuelle Revolution stattgefunden hat oder nicht, der Umgang war direkter, Aids war noch kein Thema und es wurde mit verschiedenen Beziehungsformen experimentiert. Zudem haben die Leute, die sich für Tantra interessierten, meistens bereits Erfahrungen mit Körperarbeit, Meditation und Therapie gehabt.

Peter Schröter: Die sexuelle Revolution hat nie wirklich stattgefunden, sie war ein Hirngespinst. Sie hat eher verunsichert. Sie hat viele Leute in etwas hineinspringen lassen, ohne dass ein Veränderungsprozess in Gang gekommen wäre. Häufig ist es doch so, dass bei extremen Erfahrungen die Feinheiten nicht wahrgenommen werden. Es waren vielleicht tolle Erlebnisse. Aber sie konnten nicht in den Alltag integriert werden. Das ist ein Grund, weshalb in unseren Gruppe heute keine Penetration mehr stattfindet. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen können selbstverständlich Liebe machen, wenn sie dazu Lust haben, aber nicht in der Gruppe. Wir helfen ihnen, den Vorbereich zu beackern und sich mit Themen wie Scham, Schuld und Angst auseinanderzusetzen, zu heilen und Sinnlichkeit, Erotik und Meditation zu entdecken.

Doris Christinger: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Gruppen kommen meistens mit Problemen zu uns wie Orgasmusschwierigkeiten, wenig Bezug zur Körperlichkeit, Ejakulations- und Erektionsproblemen oder Beziehungsfragen. Für viele reicht es, diese Probleme anzugehen und zu lösen. Ein Grossteil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen stellt nach Auflösung ihrer Hauptthematiken dann Fragen nach dem Lebenssinn, also spirituelle Fragen. Dabei geben wir keine bestimmte Richtung vor. Viele entwickeln eine eigene Spiritualität, die beispielsweise in Richtung Schamanismus geht, andere entscheiden sich für traditionelle Lehren wie den Buddhismus oder Sufismus. Es gibt übrigens eine Untersuchung über die Wirkung des SkyDancing Tantra, aus der hervorgeht, dass Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach dem Jahrestraining offener für spirituelle Fragen sind.

Esther Schütz: Viele Leute haben tatsächlich mit ihrer Sexualität Mühe. Ich finde es deshalb wichtig, dass verschiedenste Begleitungen und Beratungen angeboten werden. Was mir bei tantrischen Richtungen Mühe macht, ist ihr Umgang mit dem Thema Homosexualität. Seit vielen Jahren setze ich mich mit dem Thema Paarbildung auseinander. Für mich ist der Begriff Homosexualität eine reine Definitionssache. Auf das Individuum bezogen gibt es Homosexualität nicht, ein Mensch kann nicht homosexuell sein, genausowenig wie er heterosexuell sein kann. Die Begriffe Homo-, Hetero- und Bisexualität beschreiben lediglich eine Beziehung zum Du, dienen der Bildung von Gruppierungen und sind stark geprägt von gesellschaftlichen Normen. Mein Eindruck ist, dass im Tantra die Beziehung zwischen Männlichem und Weiblichem ins Zentrum gestellt wird und den Liebesbeziehungen zwischern gleichen Geschlechtern wenig oder kein Raum gegeben wird.

Peter Schröter: In unserer Gesellschaft wird unter Sexualität Heterosexualität verstanden. Mann und Frau werden automatisch die tradierte männliche bzw. weibliche Rolle zugeordnet und alle anderen Beziehungsformen dagegen als Randgruppen definiert. Dass ein homosexuelles oder lesbisches Paar ähnlich weiblich-männliche Polaritäten in einer Beziehung ausbildet, wird oft nicht wahrgenommen.

YABYUM: Der Inbegriff von Tantra ist aber die Yab-Yum-Darstellung der männlichen Gottheit in Vereinigung mit der weiblichen. Als göttlich gilt demzufolge die Vereinigung des Männlichen, das in der bildlichen Darstellung meist dominiert, mit dem Weiblichen, und zwar als symbiotisches Paar.

Peter Schröter: Das ist einer der Kernpunkte des Tantra: Diese Darstellungen haben im Buddhismus nicht explizit mit Sexualität zu tun, es geht nicht um die äusserliche Form der Vereinigung, sondern um das, was in jedem Menschen ist, also um den inneren Mann und die innere Frau, und darum, dass jeder Mensch diese in sich selber entwickeln kann.

Esther Schütz: Wenn ich das richtig verstehe, fördern Sie, dass beispielsweise ein Mann sein männliches Gegenüber nicht enterotisiert, sondern dass eine gleichgeschlechtliche Erotik entstehen kann.

Peter Schröter: Wir fördern weder eine Erotisierung noch eine Enterotisierung. Wir versuchen, die Angst zu thematisieren, die zum Beispiel oft zwischen zwei Männern besteht. Häufig beginnen dann die Männer mehr Nähe zuzulassen, auszuhalten und damit zu experimentieren, wobei die Nähe sich durchaus erotisieren kann. Meistens besteht ein riesiger Vaterhunger, ein Hunger nach einem anderen Mann, vor dem Männer wegen ihrer Verunsicherung in Bezug auf Homosexualität Angst haben. Ein gute Voraussetzung damit umzugehen, ist eine ausgeglichene Gruppe, was das Verhältnis der Geschlechter betrifft. Andernfalls ist allein schon das Ungleichgewicht ein derart grosser Stressfaktor, dass bestimmte Prozesse nicht in Gang kommen. In einer ausgeglichenen Gruppe können wir mit einer vertrauten Konstellation anfangen. Später trennen wir die Gruppe, die Männer sind dann unter sich und die Frauen sind unter sich. Dort können die Prozesse, die ich angesprochenen habe, in Gang kommen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aber haben dabei immer die Gewissheit, dass ein wichtiger Teil der Gruppe die Begegnungen von Mann und Frau ist. Diese Begegnungen sind schliesslich auch der Grund, weshalb sie sich für eine Teilnahme an einer Tantra-Gruppe entschlossen haben.

YABYUM: Nach all dem, was hier zur Sprache gekommen ist: Wem ist Tantra zu empfehlen und wem nicht?

Esther Schütz: Empfehlen würde ich es Leuten, die einen gesunden, lustvollen Umgang mit ihrer Sexualität haben, diesen vertiefen möchten und neugierig sind, neue Erfahrungen zu machen. Toll fände ich, wenn Tantra in Altersheimen angeboten würde. Was Berührung und Sinnlichkeit betrifft, besteht dort ein grosses Nachholbedürfnis. Abraten würde ich Leuten mit starken Problemen. Nicht empfehlen würde ich es Jugendlichen, denn es braucht eine gewisse Stabilität der sexuellen Identität, bevor Jugendliche sich tantrischen Praktiken widmen können. Wenn in dieser Art mit Jugendlichen gearbeitet würde, müsste auf jeden Fall mit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem eigenen Geschlecht begonnen werden.

Peter Schröter: Für den «normalen Neurotiker» ist Tantra kein Problem, für ihn ist es genau richtig. Es ist kein Problem für Leute, die ihr Zipperlein haben, mit dem sie sich vielleicht nicht ganz wohl fühlen, mit kleinen, auch sexuellen Einschränkungen. Wen wir nicht aufnehmen sind Leute im Bereich von Psychosen und Leute mit grossen sexuellen Problemen. Mit Jugendlichen arbeiten wir nicht, das wäre aber interessant: Die Jugendlichen der indianischen Twisted Hair Society lernen so zu masturbieren, dass sie beispielsweise die Atmung miteinbeziehen und die Empfindung ihres Energiekörpers entwickeln. Schön wäre es, wenn Jugendliche bei uns auf einem nicht-sexuellen Gebiet Erfahrungen machen könnten, beispielsweise den Strömungsreflex kennenzulernen, so dass er ihnen vertraut ist, wenn sie später Liebe machen.

Doris Christinger: Es ist möglich, dass ein traumatisches Erlebnis erst in der Gruppe aufbricht. Dann muss in einer Einzeltherapie weitergearbeitet werden. Zu mir kommen sehr viele Frauen, die Gewalterlebnisse gehabt haben – das Wort Missbrauch finde ich beschönigend –, die eine Einzeltherapie gemacht haben und sich im geschützen Raum einer Frauengruppe mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen wollen. Und oft gehen sie noch einen Schritt weiter in eine gemischte Gruppe. Es muss nicht entweder Tantra oder Therapie sein, sondern es kann ein sowohl als auch sein.

Eliane Schweitzer: Ich kann nur wiederholen, was ich zu Beginn des Gesprächs gesagt habe. Ich empfehle Tantra Paaren, die zusammen etwas erleben wollen, oder Frauen, die ihren Körper genauer kennenlernen möchten. Ich rate dagegen Leuten davon ab, die tiefergehende Probleme haben. Denn sexuelle Probleme sind in der Regel Symptome, und ob es immer angezeigt ist, allein das Symptom anzugehen, ist fraglich: Wenn die Ursache nicht behoben ist, wird sie ein neues Symptom erzeugen. Deshalb empfehle ich analytische Therapien, wenn ich von Konflikten erfahre, weil das Symptom oft sogar einen Sinn macht. Nicht selten ist es eine unbewusste Inszenierung, mit der sich die Seele vor weiteren Verletzungen schützt. Nur wenn das Symptom dermassen lästig ist, dass seine möglichst rasche Behebung dem Klienten oder der Klientin bereits grosse Erleichterung verschafft, rate ich zu einer Sexualtherapie. Tantra sehe ich allenfalls als Ergänzung zu einer Therapie. Und als eine interessante Erfahrung, selbst für unspirituelle Leute wie mich.

Eliane Schweitzer begann ihre journalistische Laufbahn als Sekretärin bei der Frauenzeitschrift «Annabelle». Sie arbeitete als Redaktorin beim Magazin «Penthouse» und ist seit fünf Jahren Sex-Beraterin beim «Blick», der grössten Tageszeitung der Schweiz.

Esther Elisabeth Schütz ist Gründerin des Instituts für Sexualpädagogik in Uster bei Zürich. Ihr zusammen mit Theo Kimmich verfasstes Aufklärungsbuch «Sexualität und Liebe» wurde 2001 mit einem Preis des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau ausgezeichnet.

Peter A. Schröter ist Psychologe FSP und Körperpsychotherapeut. Er ist Mitbegründer der SkyDancing Tantra-Methode. Doris Christinger ist Sexual- und Körperpsychotherapeutin. Sie ist Gründerin der Liebesschule für Frauen. Gemeinsam bieten sie Seminare in SkyDancing Tantra an.




Erschienen in YABYUM Nr. 6, November 2001.

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