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Nekrolog auf eine Blondine



Zum Tod von Beate Uhse

Wenn die Gummis Trauer tragen, so hätten die Devisen am Tag X der alten Dame lauten können. In der Tat stehen die Erregungskurven schlecht, die Aktien fallen. Aber zum Gedenken an die «Sex-Königin» hätte doch jeder Kunde in einem der Uhse-Läden ein schwarzes Kondom erhalten sollen, um gebührend Trauer zu blasen. Das wäre vielleicht ihrem letzten Wunsch entgegengekommen, ein fröhliches Fest zu ihrer Himmelfahrt zu feiern.

Vom Berliner Beate Uhse Erotik-Museum hing lediglich eine schwarze Fahne schlapp herunter, auf der man vergeblich ihr geglättetes Gesicht in den Tuchfalten suchte. In der Eingangshalle war ihr Bild schwarz umflort und ein neues Gästebuch aufgeschlagen.

81 Jahre zählte die Tochter aus grossbürgerlichem Hause, die zweimal verheiratet und einmal – zu damaligen Zeiten ungewöhnlich – mit einem viel jüngeren Mann liiert war, bis die unheilbare Krankheit sie endgültig zerfrass. Jahrzehnt um Jahrzehnt vertrieb sie ihre Hygieneartikel und hielt den Bubikopf auf Vollbusenhöhe der Pinup-Girls hin. Mit ihrem gefrorenen Lächeln in braungebranntem Leder-Gesicht spiegelte sie die Weiblichkeitsmaske wider, die die jüngeren Blondinen gleichermassen tragen (müssen). Und doch zollt man ihr weniger anrüchigen Respekt. Gradlinig führte sie ihren Versand vom Ogino-Knaus-Heftchen zum lukrativen Millionen-Unternehmen und liess den schon 1899 gegründeten ersten «Kästner»-Versand für eheliche Hilfsmittel aus der DDR weit hinter sich. Beate Uhse etablierte sich als Mutterfigur im Erotik-Imperium und kämpfte als solche wohlerzogen und erfolgreich gegen gesetzliche Beschneidungen der Pornografie.

Kämpferinnengeist hatte sie schon früh entwickelt. Als Luftwaffen-Pilotin flog sie Testflieger und war mit Hanna Reitsch eine der wenigen Frauen in solchen Positionen, die noch nach der Kapitulation ihren Führer Hitler aus Berlin rausfliegen wollten. Heldenhaft und ohne Vorliebe für das eigene Geschlecht liebte sie es, genau wie Leni Riefenstahl, in die Höhen zu steigen und die Tiefen zu tauchen und schwarze Haut zu entdecken. Zufall?

1989 wurde Beate Uhse vergeblich als «Pionierin für liberale Sexualität» für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Die Auszeichnung hätte überdeckt, dass die zähe Lady die Hälfte des Himmelbettes vernachlässigt hat. Hätte sie ihren Grosskonzern nur teilweise dazu genutzt, die weibliche Perspektive und Pornographie zu unterstützen – nur 1 % sind in Deutschland aus weiblicher Produktion – wir würden ihr tatsächlich den erweiterten Hurizont verdanken. Und auch wenn alle Umfragen ergeben, dass nicht nur die weibliche Klientel sich nach mehr Niveau und Qualität sehnt, leugnet man einen Bedarf. Es herrscht weiterhin eine konsequente Ignoranz gegenüber der weiblichen Sexualität. Jetzt hat die Rotermund, so hiess sie nach ihrer zweiten Ehe, beide Augen zugedrückt. Auch konsequent.

Laura Méritt

  • www.beate-uhse.de



    Erschienen in YABYUM Nr. 6, November 2001.

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